Freuds Wiederkunft
(Ein innerer Monolog über Sex, Geschlecht und das Unbehagen in der Spätmoderne)
Das kann doch nicht sein.
Habe ich Freud nicht längst hinter mir gelassen?
Diese Überbetonung der Sexualität, dieser seltsame Tunnelblick auf Begehren und Geschlecht – all das erschien mir doch längst als überholt, als historisch erklärbar, vielleicht sogar als problematisch. Ein Mann seiner Zeit, kein Prophet.
Und jetzt?
Jetzt beobachte ich, wie sich alles wieder um genau das zu drehen scheint:
Sexualität.
Geschlecht.
Identität.
Wie du dich fühlst. Wie du dich bezeichnest.
Wer du sein darfst – und wer nicht.
Fast alles scheint daran zu hängen. Und wehe, du sprichst es falsch aus.
Bin ich naiv, wenn ich staune?
Oder ist es naiv, es nicht zu tun?
Ich dachte, wir wären weiter. Dachte, der Mensch habe sich befreit – nicht nur von repressiven Normen, sondern auch von der Obsession, sich selbst ständig durch das Körperliche definieren zu müssen. Aber jetzt sehe ich: Die alten Fragen sind zurück. Nicht in der Sprache Freuds, aber doch im Kern seiner Intuition.
Plötzlich steht Freud wieder im Raum
Es geht wieder um Triebe, um Begehren, um Körper, um Scham, um Sichtbarkeit.
Nur dass es heute nicht mehr analysiert wird, sondern inszeniert.
Nicht mehr verdrängt, sondern verabsolutiert.
Freud wollte das Begehren verstehen.
Heute will man es zur Wahrheit erklären.
Ist das nun Freuds Wiederkunft?
Und ich frage mich:
War Freud am Ende näher an einem dunklen Zentrum des Menschlichen als wir alle dachten?
Wollten wir ihn deshalb loswerden – weil er uns zu gut durchschaute?
Vielleicht.
Vielleicht liegt darin das wahre Unbehagen:
Nicht in der Kultur, wie Freud schrieb. Sondern in uns.
Weil wir uns selbst nicht entkommen.
Weil wir uns immer wieder über das definieren, was wir doch angeblich längst dekonstruiert haben.
Sex.
Geschlecht.
Begehren.
Ein altes Trio.
Ewig modern.
Oder: ewig unerlöst.
Wie schrecklich arm,
Wie schrecklich lächerlich
man sich doch fühlen kann.
Inmitten dieser Postmodernen Spießigkeit.
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